Nahe der Elbe neben der (heute katholischen) Petrikirche liegt die alte Klosterkirche St. Augustini, seit 1680 Wallonerkirche genannt – wegen der wallonischen Flüchtlinge, denen diese Kirche damals zur Verfügung gestellt wurde.
Dort befindet sich seit 2005 im großen Hauptschiff der Meditationsweg „Verlorene Kirchen Magdeburgs“. Er ist inspiriert von den Gedanken des „Versöhnungsgebetes von Coventry“ aus dem Jahre 1940 und steht mit der dortigen Versöhnungsgemeinschaft in unmittelbarer Verbindung. Ein „Nagelkreuz“, von dort verliehen, steht im Zentrum des Meditationsweges und weist die Wallonerkirche und den Kirchenkreis Magdeburg als ein „Nagelkreuzzentrum“ aus.

Nagelkreuz in der Wallonerkirche
Zentren dieses Namens in vielen Ländern der Welt sind verbunden durch das an jedem Freitag um 12 Uhr gesprochene Versöhnungsgebet. Wer will, kann dort beim Nagelkreuz eine Kerze entzünden, einen Augenblick verweilen, ein Gebet sprechen….
Zu dem Nagelkreuz führen acht „Stationen“ in den Seitenschiffen. Sie erinnern an acht „verlorene“ Kirchengebäude Magdeburgs und an deren Geschichte und Gemeinden: Die Kirchen der Pfarrgemeinden der Altstadt St. Ulrich und Levin, St. Katharinen, St. Jacobi, Heiliggeist, die Kirchen der Deutsch-Reformierten und der Französisch-Reformierten Gemeinde und die Stadtteilkirchen der Martins- und der (ehemaligen) Luthergemeinde.
Verloren gingen diese Kirchen durch die Zerstörungen der Kriegszeit, vor allem durch den großen Bombenangriff am 16. Januar 1945 – und damit in Wahrheit durch die nationalsozialistische Politik - und durch die kirchenfeindliche Wiederaufbaupolitik der DDR-Machthaber. Bilder und Texte auf Tafeln informieren und laden zum Nachdenken ein: Was haben die Kirchen einst bewirkt, was führte zu ihrer Kriegszerstörung, was zu ihrem Abriss und zur Beseitigung ihrer Spuren in Magdeburg nach 1945 und was für heutige Impulse erwachsen uns daraus...
Das Design wurde von Ernst Albrecht Fiedler, Magdeburg, gestaltet, die Modelle von Martina Seffers, Magdeburg, hergestellt.
Das Kirchenschiff der Wallonerkirche ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Das vieltürmige Magdeburg, „unsers Herrgotts Kanzlei“ gibt es nicht mehr. Das bleibt ein Schmerz. Aber an den Ursachen sind auch die Kirchen selbst beteiligt gewesen, darum kann der Hinweis auf die Verluste in der Kirche nie auskommen ohne das eigene Schuldbekenntnis und das Gebet um Versöhnung.
1188, nach dem Stadtbrand, bei dem die erste, aus dem Jahre 1022 stammende Ulrichskirche mit zerstört wurde, entstand die dreischiffige nun St. Ulrich und Levin geweihte Kirche. Sie lag inmitten der Stadt (heute Ulrichsplatz). 1656 erhielt sie einen barocken Innenausbau und wurde dadurch zur „schönsten Pfarrkirche Magdeburgs“.
In der Reformationszeit wirkten hier Nikolaus von Amsdorf, Begründer der „schola Johannita“ und einer der Autoren der reformatorischen Streitschriften, die Magdeburg den Titel „Unseres Herrgotts Kanzlei“ einbrachten, und Johannes Agricola, „Cantor scholae Magdeburgensis“ und damit zugleich „Director musices“ aller sechs Pfarrkirchen. Prominentestes Gemeindeglied war wohl Otto von Guericke (1602-1686).

Ulrichskirche nach dem Bombenangriff am 16. Januar 1945
Beim Bombenangriff am 16. Januar 1945 blieben Fassade und Türme stehen. Der Wiederaufbau wäre gut möglich gewesen. Dennoch wurde die Kirche – trotz zahlreicher innen- und außenkirchlicher Proteste - am 5. April 1956 gesprengt, weil sie an der, der Stalin-Allee in Berlin nachempfundenen, Wilhelm-Pieck-Allee (heute Ernst-Reuter-Allee) das sozialistische Stadtbild gestört hätte. Seit 2002 erinnert dort ein Modell an die Pfarrkirche St. Ulrich und Levin, dessen Abguss sich in der Wallonerkirche befindet. Foto: Sprengung der Ulrichskirche (Volksstimme Magdeburg)
www.ulrichskirche.de
1230 begann der Bau der Katharinenkirche, aus der Zeit stammen die weitgehend romanischen Türme. Um 1485 war die dreischiffige Hallenkirche vollendet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielt die Turmfront ein Barockportal mit einer lebensgroßen Heiligen Katharina im Giebel (heute auf dem Meditationsweg zu sehen).
Die Katharinenkirche bestimmte und prägte den Nordabschnitt des Breiten Weges. In ihr wurde 1524 durch Pfarrer Johann Ziegenhagen die Reformation eingeführt. 1699 bis 1703 wirkte hier der Kantor Johann Bernhard Bach, ein Vetter Johann Sebastian Bachs. Bekannt wurde die Katharinenkirche auch um 1848 durch Pfarrer Leberecht Uhlich und seine „Lichtfreunde“, die sich aus der Landeskirche lösten. Letzter Kantor an der Kirche war 1923 bis 1945 Kirchenmusikdirektor Werner Tell – später der Gründer des „Magdeburger Kantatenchores“.
Bei den aliierten Bombenangriffen wurde die Kirche 1944 zunächst zur Zuflucht, doch am 28. September 1944 wurde auch sie getroffen und brannte völlig aus. Ihr Wiederaufbau war zu DDR-Zeiten durch staatliche Stellen fest zugesagt worden. Es gab „Aufbaulager“ der „Gossner Mission“ und der „Aktion Sühnezeichen“. Doch dann wurden „aus städtebaulichen Gründen“ auf staatliche Anordnung 1964/1965 Schiff und Turm von St. Katharinen beseitigt.
An deren Stelle kam ein gesichtloses Hochhaus, „Haus der Lehrer“, das heute leer steht. Seit 2000 erinnert dort ein Modell an die Pfarrkirche St. Katharinen, dessen Abguss auf dem Meditationsweg in der Wallonerkirche zu finden ist.

St. Katharinen
Die Jakobikirche war die an Flächeninhalt größte Stadtkirche Magdeburgs, begonnen 1230, 1381 bis 1497 fertig gestellt: eine dreischiffige Hallenkirche mit backsteingotischen Vorhallen (ähnlich St. Petri). 1524 wurde an der - gegen Norden nahe der Stadtmauer Richtung Neustadt gelegenen - Jakobikirche die Reformation eingeführt.
Wegen seiner Lage musste die Kirche 1550/1551 aus erster Hand die Zerstörung der Neustadt durch Moritz von Sachsen miterleben. Berühmt wurde dabei der Kanonier Andreas Kritzmann, der damals vom Turm der Jakobikirche so lange und nachhaltig die anrückenden Truppen beschoss, dass Moritz den Abzug befahl. Kritzmann jedoch kam ums Leben und wenig später stürzte der beschädigte Turm auf das Kirchendach.
1861 berichtet Wilhelm Raabe davon in seinem Roman „Unseres Herrgotts Kanzlei“. Als bedeutender Prediger und Dichter frommer Lieder („Der lieben Sonne Licht und Pracht“) gilt der Jakobipfarrer Christian Scriver (1629 bis 1693). Sein Grabmal und das seiner Familie stehen heute im Kreuzgang der Wallonerkirche.
Dreimal wurde die Jakobikirche im Laufe der Geschichte zerstört, endgültig bei Bombenangriffen der Aliierten am 16. Januar 1945. Ihre Ruine wurde auf staatliche Anordnung im Oktober 1959 beseitigt. Wo sie stand, sind heute Wohnhäuser, eine Kaufhalle und grüne Wiese. Seit 2003 erinnert in der Jacobstraße ein Modell an die Pfarrkirche St. Jakobi.
Die Pfarrkirche Heilig-Geist entstand als Hospitalkirche des 1214 gegründeten Heilig-Geist-Hospitals südlich der Johanniskirche (heute Goldschmiedebrücke). Es gab mehrfach Umbauten, auch unter Einbeziehung der benachbarten St. Annenkapelle, deren Chor an der Südseite erhalten blieb.
1631 wurde die Kirche zerstört, aber 1651 als erste Stadtkirchen für alle Altstadtgemeinden notdürftig wieder hergerichtet, nach 1690 als dreischiffige im gotischen Stil errichtete Kirche rekonstruiert und mit einem Sterngewölbe im Mittelschiff versehen. Bis ins 15. Jahrhundert hinein wurden die Kranken und Armen von Heilig-Geist von der Gewandschneiderinnung finanziert und durch die Pfarrkirche St. Johannis mit versorgt.
1524 wurde an der Kirche durch den Franziskanermönch Johannes Fritzhans die Reformation eingeführt – Ausgangspunkt für ihre neue Rolle als Pfarrkirche. Dort wirkte im 17. Jahrhundert auch der Vater des Komponisten Georg Philipp Telemann, der seinen Sohn 1681 hier taufen ließ.
Mehrmals wurde die Heilig-Geist-Kirche zum Asyl für Gemeinden, die ihre Kirche verloren hatten: 1806 und 1813 für Dom und St. Ulrich und 1951 für alle Innenstadtgemeinden. 1945 brannte die Kirche bei Bombenangriffen völlig aus, wurde jedoch – mit ausländischer Hilfe und sehr mühselig – als „Notkirche“ für die Altstadtgemeinden wieder aufgebaut. Pfingsten 1951 konnte der erste Gottesdienst gehalten werden.
Doch schon bald war deutlich, dass die Kirche das sozialistische Stadtbild „störte“. So wurde der Abriss befohlen – im Mai 1959 - verbunden mit dem Versprechen, dass stattdessen St. Katharinen wieder aufgebaut werden dürfe...
Seit 2001 erinnert in der Goldschmiedebrücke ein Modell an die Pfarrkirche Heiliggeist.
Für die Französisch-Reformierten Glaubensflüchtlinge, die ab 1686 einwanderten, wurde zuerst die etwas marode Gertraudenkirche am Knochenhauerufer zur Verfügung gestellt. Dann entstand – in Erinnerung an die 1683 in Glaubenskämpfen zerstörte Kirche im hugenottischen Glaubenszentrum Montauban – ein ähnliches Kirchengebäude.
Nach dem Entwurf des Berliner Architekten Emanuel l’Etang wurde von 1705 bis 1710 hinter dem heutigen Hochhaus in der Jacobsstraße (Weitlingstraße) ein barocker, prächtig ausgestatteter Kirchenbau mit einem achteckigen Grundriss fertig gestellt. 1804 brannte er nieder, wurde unmittelbar danach in ähnlichem Stil, jedoch deutlich kleiner, neu gebaut.
Zur Französisch-Reformierte Gemeinde gehörten viele hugenottische Offiziere, aber auch z.B. die Unternehmerfamilie Cuny. Lange blieb die Gemeinde bei der französischen Sprache, ab 1815 wurden die Kirchenbücher in deutscher Sprache geführt, ab 1822 in deutsch gepredigt.
Bei dem größten Bombenangriff der Aliierten am 16. Januar 1945 wurde die kleine Kirche völlig zerstört. Dem Antrag auf Wiederaufbau wurde in der DDR-Zeit nicht entsprochen. Trotz vieler Proteste wurde die Ruine am 20. Oktober 1960 gesprengt.
Am 10. Juli 1896 wurde am Haydnplatz der Grund für die neue Deutsch-Reformierte Kirche gelegt. Es war das 3. Gotteshaus der Gemeinde. Zuvor hatte sie kurz die Gangolfi-Kapelle (Domplatz) und ab 1700 die Paulinerkapelle (Breiter Weg, heute Hauptpost) genutzt.
Die Deutsch-Reformierte Kirche wurde im frühgotischen Stil errichtet, mit einem 72 m hohen Turm. Kanzel, Abendmahlstisch und eine Rühlmann-Orgel waren in einer Achse angeordnet. Zur Deutsch-Reformierten Gemeinde fanden sich seit 1692 die Deutschen in der „Pfälzer Kolonie“ – 1689 aus der Pfalz vertriebene reformierte – mit den seit 1666 als Mitarbeiter und Mitglieder des brandenburgisch-kurfürstlichen Hofes in Magdeburg ansässigen Reformierten zusammen.

Deutsch-Reformierte Kirche
Bekannt gewordene Gemeindeglieder waren der noch in der Paulinerkapelle getaufte spätere General des nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieges, Friedrich Wilhelm von Steuben (1730-1794), der Adjutant Lützows, Karl Friedrich Friesen (1784-1814) und der Großkaufmann Adolf Mittag (1833-1920).
Bei Bombenangriffen der Aliierten wurde 1944 und am 16. Januar 1945 die Kirche so stark zerstört, dass ein Wiederaufbau nur schwer möglich gewesen wäre. Zu DDR-Zeiten war ihr Standort ein Parkplatz. Heute wird dort eine Russisch-Orthodoxe Kirche gebaut. Die Reformierte Gemeinde nutzt jetzt in der einzig wieder aufgebauten reformierten Kirche, der Wallonerkirche, eine Kapelle.
Mitte des 18. Jahrhunderts entstand auf einer ehemaligen Schanze am Ostufer der Elbe eine Siedlung, Friedrichstadt. Dort lebte bis Ende des Zweiten Weltkrieges viel Militär, denn in der Friedrichsstadt war damals die größte militärische Ausbildungsstätte Mitteldeutschlands.
Die erste Kirche der (vorwiegend Militär-) Gemeinde in der „Friedrichstadt“, dem heutigen Brückfeld, war um 1865 für die Bedürfnisse der Gemeinde zu klein geworden. Darum wurde 1880 bis 1882 eine neogotische Kirche erbaut, die 1897 den Namen „Lutherkirche“ erhielt und bis 1944 die Kirche der Luthergemeinde war.
Bei Bombenangriffen wurde die Kirche am 21. Januar 1944 fast völlig zerstört und bald danach restlos abgetragen. Auf ihrem Gelände entstanden nach dem Krieg Wohnhäuser. Der Kirchengemeinde wurde zum Ausgleich ein Grundstück zugewiesen. Doch ein Kirchenneubau kam nicht zustande, weil die Rote Armee dieses Gelände bis 1994 nutzte.
Seit der Zerstörung der Lutherkirche ist die Gemeinde – seit 1988 unter dem Namen „Trinitatisgemeinde“ mit der Magdeburger St. Johannisgemeinde vereint – in der Ida-Hubbe-Kapelle (Berliner Chaussee 42) zu Hause.
Die Martinskirche, eine neogotische Backsteinkirche, wurde 1898 bis 1902 auf dem Dräseckeplatz in der Alten Neustadt errichtet. Sie sollte den dortigen, früher zur Nikolaikirche gehörenden evangelischen Christen als Gemeindekirche dienen.
Ihren Namen erhielt sie im Gedenken an Martin Luther, an dessen Geburtstag sie geweiht wurde. Mit ihrem 66 m hohen Turm und ihrer reichen Ausmalung bot sie einen imponierenden Eindruck. Der mächtige Turm beherbergte zwei Glocken, die bereits 1917 für die Kriegsindustrie des Ersten Weltkrieges abgeliefert werden mussten.
In der erst jungen Martinsgemeinde, die heute gemeinsam mit der Altstadtgemeinde ein Kirchspiel bildet, nimmt seit der Gründung Anfang des 20. Jahrhunderts der Kindergarten eine besondere Rolle ein. Bis heute sind ihr gesellschaftliche und soziale Themen wichtig.
Am 16. Januar 1945 wurde die Martinskirche von Bomben getroffen und brannte aus. Auch ihr Wiederaufbau wurde nicht zugelassen, sondern die Ruine 1959 gesprengt. An ihrer Stelle stehen heute Wohnhäuser. Eine 1922 gespendete Glocke ist heute das einzige, was von der Kirche übrig blieb. Sie steht – mahnend und stumm – vor dem Martinsgemeindehaus, in dem die Gemeinde seit der Zerstörung der Kirche zu Hause ist.

Martinskirche
Gospelprojekt
Februar - März 2012 Nicolaigemeinde
Trauerseminar
Pfeiffersche Stiftungen ab 14. Februar
Kirchenkreis-Kindertag
6. Februar 2012 - Hoffnungsgemeinde
Chorsängerinnen und -sänger gesucht