Es gibt kaum etwas Schöneres für mich als Imker, als wenn nach dem langen, kalten und ungemütlichen Winter die Natur wieder erwacht. Im Winter scheint die Welt tot; aber sie ist es nicht - sie ruht und wartet auf das Wiedererwachen.
Zeichen für die Wiederbelebung sind die länger werdenden Tage, die steigenden Temperaturen. über all blühen die Pflanzen. Und mittendrin: ausfliegende Bienen. Diese Kreaturen der Schöpfung sind für mich Symbol des wiedererwachenden Lebens.
Das Bienenvolk erwacht und macht sich gleich an die Arbeit.
In Paul Gerhardts Lied „Geh aus mein Herz . . .“ heißt es schon:
„Die unverdroßne Bienenschar
Fliegt hin und her, sucht hier und da
Ihr edle Honigspeise; . . .“
Mit ihrem sprichwörtlichen Bienenfleiß sammeln sie den Nektar, die süße Honigspeise, in so großer Menge, dass sie davon uns Menschen abgeben können. Und wir als Imker sind natürlich daran interessiert, dass es den Bienen gut geht und sie ihrer wichtigen Tätigkeit nachgehen können.
Sind sie es doch, die dafür sorgen, dass aus Blüten Früchte werden und im wesentlichen Umfang mit dafür sorgen, dass wir Menschen “unser tägliches Brot“ essen können und die Tiere ebenfalls ihre Nahrung finden. Vielleicht liegt darin ein Grund, dass in den vergangenen Jahrhunderten Bienen häufig von Pastoren und Pfarrern gehalten wurden.

Manchmal empfinde ich die Arbeit an den Bienen wie Gottesdienst, vor allem wenn man den Gedanken nachhängen kann.
Das Leben im Bienenstock hat seit jeher den Menschen angeregt, ihnen nahe zu sein, sie in ihrem Tun zu beobachten, aber natürlich auch daraus Nutzen zu ziehen und Honig zu naschen und zu ernten.
Manche Menschen haben Angst vor Bienen, weil sie stechen können - und so ein Stich tut auch weh. Aber Bienen sind nicht aggressiv, sie wollen sich nur verteidigen. Wenn man weiß, wie man sich verhalten muss, dann sind sie eigentlich ganz friedliche Tiere, die nur manchmal auch von der Cola oder Pudding naschen wollen.
Man kann sich auch als Hirte fühlen, führt man die Bienen durch das Jahr, denn das Leben im Bienenvolk verändert sich ständig. Jede Jahreszeit erfordert andere Tätigkeiten und so ist es nur folgerichtig, wenn man den Bienen im Herbst besondere Fürsorge zukommen läßt, damit ich im Folgejahr wieder ein summendes Bienenerwachen hören und sehen kann. So sind die Bienen ein Sinnbild der immer wieder sich erneuernden Schöpfung Gottes.
Text und Bild: Henning Bollmann,
Hobby-Imker aus Alt-Olvenstedt
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